Blindenführhund ausfinanziert

Julian Nagl
Julian Nagl

Seit Mitte Oktober ist Diamond nun mein treuer Begleiter. Er arbeitet sehr gerne in seinem „Job“ als Blindenführhund. Wir trainieren viel und wachsen immer mehr zusammen.

 

Damit wir auch ein sicheres und gutes Team werden, bekommen wir in den intensiven wöchentlichen Trainings-einheiten mit der Hundeschule Sabine Muschl und einer Rehabilitations-fachkraft für Mobilität und Orientierung die nötige Unterstützung. Was wir uns da erarbeiten, setzen wir beide sofort in die Tat um und erobern immer weitere Strecken. Längst ist schon die U-Bahn, Schnellbahn oder  Straßenbahn ein tolles Beförderungsmittel und kein unüberwindbares Hindernis mehr.

 

Ich möchte Ihnen gerne ein wenig über meine Mobilität erzählen, wie es war mit Langstock und jetzt mit Diamond.

 

Als mein Sehvermögen nicht mehr ausreichte habe ich den Umgang mit dem Langstock erlernt. Um seinen nächsten Schritt abzusichern pendelt man etwa schulterbreitt im Rhythmus des Schrittes mit den Blindenstock vor sich her. Ich habe einen mit einer beweglichen Kugel die dann über den Boden gleitet. Somit merke ich jede kleine Bodenunebenheit. Über diese Informationen der Untergrundgegebenheiten habe ich mich orientiert. Zum Beispiel wusste ich: Nach der dritten Rille wenn der Boden rau wird muss ich abbiegen.

 

Aber auch über Gerüche und Geräusche lernt man sich zurecht zu finden. Es gibt ein sehr gut duftendes Restaurant in der Nähe wo meine Oma wohnt, da weiß ich sobald der köstliche Duft in meine Nase strömt kommt dann in 3 Schritten die Weggabelung.

 

Über das Hören kann man Kreuzungen lokalisieren und heraushören wann eine sichere Überquerung der Straße möglich ist. Auch Techniken zum Ein- und Aussteigen in Öffis oder beim Stufen hinauf und hinunter gibt es,... . Das alles lernte ich von einem Mobilisationstrainer. Und ich kann sagen, so Trainingseinheiten fordern einen bis an seine Grenzen. Aber es lohnt sich!

 

Nun gehe ich meine Wege zum größten Teil mit Diamond an meiner Seite. Den Langstock verwende ich nur mehr, wenn Diamond „frei“ hat. Beispielsweise beim Spazieren gehen, er liebt es ausgiebig zu schnuppern was er in seiner Arbeitszeit nicht darf. Aber auch wenn er im Freilauf ist beim Ballspielen oder wenn er herum tobt mit seinen Hundefreunden bin ich auf den Langstock angewiesen. Er ist noch ein junger Hund und hat schon sehr große Verantwortung bei seiner Arbeit, deshalb achte ich sehr darauf, das Diamond täglich genügend Zeit bekommt wo er „nur Hund“ sein darf.

 

Mit Diamond im Geschirr bin ich überall doppelt so schnell am Ziel als mit Langstock. Aber am Anfang ist es schon eine große Umstellung. Ich glaube, so ist es den Leuten beim Umstieg von der alten Schreibmaschine wo man jeden Buchstaben mühevoll und kraftraubend hineinklopfen musste auf die Elektronische Schreibmarschmiene ergangen.

 

Anfangs fehlten mir die Bodeninformationen. Heute arbeite ich noch mehr mit meinem Gehör und meiner Nase, aber das große Suchen und der Hindernislauf wo man jeden Briefkasten, Laterne, Warenkörbe usw.,... auf seinen Weg ans Ziel hautnah miterlebt, gehört jetzt der Vergangenheit an.

 

Diamond führt mich geschickt ans Ziel. Ich muss nur mehr Wissen wo hin ich möchte, Türen, Bankomaten, Treppen, Aufzüge, Mistkübeln, alles zeigt er mir auf Wunsch an. Es ist echt toll, was so ein Hund kann. Am meisten beeindruckt mich immer, dass er abschätzen kann wie breit und hoch ich bin, wenn er für mich Seiten und Höhenhindernisse abschätzt.

 

Das gegenseitige Vertrauen und auch die Kommunikation zwischen uns wird immer besser. In einiger Zeit werden wir uns im wahrsten Sinne des Wortes blind vertrauen können, so wie bei einem alten Ehepaar, wo der eine weiß was der andere gerade denkt.

 

So, jetzt habe ich genug von der Mobilität geredet. Diamond ist natürlich mehr als nur ein Hilfsmittel!!! Diamond ist ein toller Hund. Mein Tag beginnt immer so gegen 6h herum. Ich muss zugeben, ich bin ein Morgenmuffel, aber da habe ich bei Diamond keine Chance. Er freut sich immer so sehr, wenn ich aus den Träumen aufwache. Als erstes bekomme ich einen dicken Schmatz von ihm, dann bringt er mir schon freudigst wedelnd meine Schuhe,... und ein paar Minuten später kann die erste Morgenrunde beginnen.

 

Wer von so einem Wesen freudig erwartet wird, kann nicht grantig in den Tag gehen – Diamonds Freude ist einfach ansteckend. Ich könnte jetzt, wie jeder Hundebesitzer von seinen Hund stundenlang berichten. Aber ich glaube, das sprengt hier den Rahmen!

 

Ich möchte noch Danke sagen für die ganzen Hilfen und Unterstützungen, damit Diamond MEIN Führhund werden kann.

 

Bald haben wir die behördliche Teamprüfung – das ist der letzte Schritt, wo von Sachverständigen überprüft wird, ob wir ein sicheres Team sind. Bitte uns dafür alle Daumen und Pfoten drücken!

 

Danke

Julian