Liebe Leserinnen und Leser!

Mein Name ist Barbara Steurer, ich bin 52 Jahre und leide seit 1996 an Multifokaler Motorischer Neuropathie (eine fortschreitende Muskelerkrankung). 2002, also mit 41 Jahren, wurde ich aufgrund der fortschreitenden Krankheit in die Invaliditätspension geschickt. Seitdem bestreite ich mein Leben mit einer kleinen Pension und lebe in einem Sozialzentrum nahe Wiens.

Meine körperlichen Einschränkungen belaufen sich zum jetzigen Zeitpunkt auf beide Hände, kraftlose Finger mit sichtbaren Muskelatrophien über beide Hände und Arme. Beide Füße sind ebenfalls kraftlos und haben sichtbare Muskelatrophien, wodurch ich mich nur noch mit einem Rollator fortbewegen kann. In meinem Alltag brauche ich selbst für die einfachsten Dinge, wie an- oder ausziehen, Verpackungen öffnen etc. immer fremde Hilfe.

Mein größter Wunsch wäre ein ausgebildeter Servicehund, weshalb ich 2012 die Labradorhündin Sally bei mir aufnahm. Ich habe mich erkundigt und gegen den Kauf eines erwachsenen Servicehundes entschieden, weil ich die ersten Hundejahre auch miterleben und keiner fremden Person schenken wollte.

Die Grundausbildung von Sally habe ich mit etwas Unterstützung einer Trainerin selbst geschafft. Sally soll mir bei der Bewältigung des Alltags helfen, z.B. Türen öffnen, Gegenstände aufheben und bringen, Licht an und ausschalten, Schuhe bringen, Reißverschlüsse öffnen/schließen, Kästchen und Laden öffnen und schließen und noch vieles mehr. (einiges davon kann Sally schon, einfach weil ich ihre Hilfe unbedingt brauchte).

Wenn ich auf Reha fahre möchte ich Sally gerne mitnehmen, was ohne Eintrag als Servicehund im Behindertenpass nicht erlaubt ist. Auch Streitereien um das Wegräumen von Hundekot (was für mich einfach nicht machbar ist, weil mir die Kraft zum Greifen in den Fingern fehlt) und Leinenpflicht würden wegfallen. Um Ihre Ausbildung zu vollenden und sie offiziell als Servicehund arbeiten zu lassen, bräuchte ich Trainerstunden und den Nachweis, dass Sally gesund ist. Beides hätte meine finanziellen Mittel bei weitem überstiegen. Denn allein die Untersuchung kostet über 1.000 Euro.

Der Verein Seite an Seite übernahm spontan die Kosten der Erstuntersuchung, das waren rund EUR 900,-. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken, ich war nämlich wirklich schon am verzweifeln.

Leider ist die einzige gute Nachricht, dass ich mich für die Untersuchung nicht verschulden musste, denn es kam heraus, dass Sally starke Hüftdysplasie hat. Ich bringe es nicht übers Herz sie wegzugeben und versuche ihr ein langes und möglichst schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Springen muss sie bei mir nicht und eine Hilfe ist sie mir jetzt schon. Trotzdem bin ich am Boden zerstört über dieses traurige Ende der Geschichte.

Ich muss mein Leben nun wieder neu ordnen und werde als nächstes schauen, dass ich ein Behinderten-E-fahrrad für mich bekomme. Falls jemand diesbezüglich einen Tipp für mich hat, wäre ich sehr dankbar.

Ihre

Barbara Steurer