Tanzen

Haben Sie, liebe Leser,

 

schon einmal die Eröffnung des Opernballs live oder im Fernsehen miterlebt? Wie die jungen Paare leichtfüßig, ja fast schwebend übers Parkett fegen. Wussten sie, dass oftmals ein Teilnehmer schwer sehbehindert oder blind ist? Kaum zu glauben, nicht wahr?


Ich besuchte eine der wohl ältesten und renommiertesten Tanzschulen in Wien, die Tanzschule Elmayer zu einem Interview. In der Gesprächsrunde waren anwesend Herr Prof. Dkfm. Thomas Schäfer-Elmayer persönlich, Herr Rudolf Peschke, Leiter der anzkurse, und Fr. Lilli Resetschnig, schwer sehbehindert (10 % auf jedem Auge) und Absolventin der Tanzschule bis zum Leistungsabzeichen Gold.


SAS: Herr Elmayer wie kommt man auf die Idee schwer sehbehinderten oder blinden Menschen in den Tanzkurs zu integrieren?

 

Schäfer-Elmayer: Diese Idee brauchte ich gar nicht zu haben. Schon mein  Großvater hat behinderte Menschen ganz normal in die Tanzkurse integriert. Ich versuche diese Tradition nur weiterzuführen und tanzen für alle Menschen zugänglich zu machen. Unter Prof. Mundstein hatten wir sogar einen eigenen  Rollstuhl Tanzkurs. Und Herr Peschke hat sich schon mit einem Mädchen mit Down-Syndrom durch alle Tänze getanzt. Da sind dann aber schon Einzelstunden notwendig.


SAS:
Muss sich ein Interessent voranmelden?

Schäfer-Elmayer:
Es ist besser! Wir können den sehbehinderten Menschen dann bei der Türe in Empfang nehmen und ihn mit den Räumlichkeiten vertraut machen. Wenn ein Blindenhund dabei ist dann ist das auch gut. Ich habe selbst einen Hund der sich freut wenn ihm jemand Gesellschaft leistet.

SAS:
Frau Resetschnig, wie sind Sie bei der Tanzschule Elmayer gelandet?

Lilli Resetschnig:
Schon als kleines Kind wollte ich immer tanzen lernen! Ich habe dann mit allen Überredungskünsten meine Mutter dazu gebracht mir einen  Tanzkurs zu bezahlen. Eine Freundin war schon in der Tanzschule Elmayer, hat aber dann nicht weitergemacht. Ich selbst habe dann mit 16 Jahren hier mit meinem ersten Tanzkurs begonnen und dann bis zum Leistungsabzeichen Gold weitergemacht.

SAS:
Wo liegt der Unterschied zwischen sehenden und blinden Menschen beim Tanzen lernen?

Rudolf Peschke:
Tanzen ist wie gehen. Es sind einfache Schritte. Sehen sie selbst (Herr Peschke steht auf und nimmt sich Fr. Resetschnig als Tanzpartnerin). Die Herren führen und fangen mit dem linken Fuß an. Jetzt brauche ich die Schritte nur ansagen, vorwärts – rückwärts und zur Seite. Es macht überhaupt keinen  Unterschied für mich als Tanzlehrer ob nun wer sehend ist oder nicht. Viel wichtiger ist das Taktgefühl. Und die Körperspannung spürt man. Auch selbst sieht man sich nicht im Spiegel. Es ist also nicht komplizierter!

Lilli Resetschnig:
Als sehbehinderter Mensch verlässt man sich viel mehr auf sein Gehör, und da die Tanzschritte ja angesagt werden ist es für uns genau so leicht, sie zu erlernen.

SAS:
Wie kommt man nun zum Opernball?

Lilli Resetschnig:
Man bewirbt sich und wird zu einem Vortanzen eingeladen. Ich hatte aber schon vorher das Elmayer Kränzchen (in der Hofburg mit 3000 Gästen) eröffnet. Trotzdem war ich natürlich sehr nervös, ich wurde aber sofort genommen. Beim Opernball selbst war ich dann aber sehr gelassen! Das liegt sicher daran, dass ich die vielen Menschen nicht sehen konnte (lacht). Aber nach der Eröffnung war ich so aufgeregt, dass der Ball irgendwie an mir vorbeiging. Erst später, als ich den Opernball erneut besuchte, konnte ich auch die Atmosphäre genießen.

SAS:
Was würden Sie zum Schluss allen Menschen in punkto Tanzen mitteilen wollen?

Lilli Resetschnig:
Ich habe jetzt schon einige Zeit nicht mehr getanzt und habe schon ein paar Schritte verlernt. Deshalb sage ich, besucht auch nach den Kursen eure Tanzschule hin und wieder und trainiert bei allen möglichen Gelegenheiten. Ich selbst merke erst jetzt wieder, wie mir das Tanzen abgeht, deshalb wird mich Herr Elmayer bald wieder hier sehen.

Herr Schäfer-Elmayer:
Seit Urzeiten wird getanzt, ob zur Freude oder Trauer.  Tanzen bringt Wohlgefühl und Gesundheit. Deshalb versuchen wir nicht nur alle Menschen zum Tanzen zu bewegen, sondern haben auch ein Programm damit auch sozial schwächere bei uns Tanzen lernen können. Das wichtigste ist aber,
dass Tanzen Freude und Spaß bereitet.


Ich bedanke mich herzlich für das Interview!