Rugby im Rollstuhl

Ja Sie haben richtig gelesen. Am Samstag dem 8. Februar machte ich mich auf den Weg, um die Österreichische Rugby Nationalmannschaft beim Kräfte raubenden Training zu beobachten.


Kurz zu den Regeln. Gespielt wird auf einem Basketballfeld, an welcher bei der letzten Linie eine Begrenzung aufgestellt wird. Diese Begrenzung muß für einen Punktegewinn, der Spieler mit dem Ball in der Hand oder auf dem Schoß (sichere Ballkontrolle) überqueren. Wie die Sportart Rugby verspricht, versucht natürlich die gegnerische Mannschaft den Angreifer zu stoppen. Strengstens verboten ist ein berühren des Rollstuhls oder Körper des Gegners.

 

Gespielt wird Vier gegen Vier.


Und hier geht‘s dann richtig zur Sache. Es wird gedrängelt und geblockt, dass die Sportler fast aus ihrem Sportgerät gerissen werden. Das Sportgerät selbst ist immer eine Spezialanfertigung, welche leicht und äußerst stabil hergestellt wird. Es gibt Angriff- und Verteidigerstühle, für welche Position der Spieler geeignet ist, entscheidet grundsätzlich sein Behinderungsgrad.

 

Aber ob Angreifer oder Verteidiger, jeder spielt hier mit vollem Einsatz. Nun ja, es ist ja die Nationalmannschaft, was sollte ich anderes erwarten.


Bei einem Probespiel habe ich dann gesehen, warum diese Stühle extra angefertigt werden. Kaum den Ball bekommen, stürmt der Angreifer, mit schnellen Handbewegungen die Räder vorwärts bewegend, in die gegnerische Hälfte. Zwei Verteidiger starten zur Mittellinie und rasen auf den Angreifer zu.

 

Wer glaubt, dass mit einer Behinderung der sportliche Weg vorbei ist, hat schwer geirrt. Deswegen werden wir pro Ausgabe eine Sportart vorstellen, welche trotz Handicap mit Begeisterung ausgeübt wird.

19 SPORT Angreifers, ein kurzer Blick zu seinem Mitspieler, welcher sich schon der Endlinie nähert, und schon wird der Ball welcher auf dem Schoß lag gepasst. Gut gefangen, doch die kurze Ablenkung auf den Ball genügt dem Gegner um mit lautem Krach den Rollstuhl zu stoppen. Der Ball gleitet ihm aus den Händen und rollt auf dem Basketballfeld. Mit einer Eleganz, wie ein Cowboy seinen Hut von der Erde aufhebt, wird der Ball vom Gegner an sich genommen, ein kurzer spurt, uuuund TOUCH DOWN!

 

Obwohl das ganze ein wenig aussieht wie wenn eine ausgelassene Truppe auf der Kirmes Autodrom fährt, (es krachen Sportrollstühle aufeinander), darf man nicht vergessen wie schweißtreibend dieser Sport auch ist. Fahren sie mal eineinhalb Stunden mit dem Rollstuhl quer über ein Basketballfeld. Die dadurch geförderte Durchblutung ist auch nach dem Training noch Jedem anzusehen. Viel wichtiger aber ist der Spirit of the Game.

 

Das wurde mir klar, als wir uns bei einem nahe gelegenen Chinesischen Restaurant gestärkt haben. Der Zusammenhalt der Truppe, das gemeinsame sportliche Ziel, sowie die gemeinsamen Ausflüge. Kein jammern, sondern österreichischer Schmäh, ist der angebende Ton bei den Tischgesprächen. Gemeinsam dankbar noch einen Sport ausüben zu können der Action hat und Spass macht. Auch wenn die Qualifikation für die Weltmeisterschaft verpasst wurde, wünsche ich unserer Nationalmannschaft alles Gute für die sportliche Zukunft.

 

Informationen, Ergebnisse und Spielplan finden sie auf der Webseite

www.rollstuhlrugby.at


Text: Andreas Michalik