Reha Klinik Tobelbad

Sozialberatung

Wenn sie unsere Rubrik „von Heute auf Morgen“ lesen, werden sie unweigerlich darauf hingewiesen wie schnell es gehen kann, sich in der Reha Klinik Tobelbad wieder zu finden. Und während der Patient noch mit seinem Schicksal hadert und versucht seinen Kreislauf in Schwung zu bringen, arbeiten viele Menschen bereits an der Zukunft des Patienten.
Einen wichtigen Teil übernimmt dabei die Sozialberatung. Aufgabe der Sozialberatung ist es, Patienten bei Maßnahmen der Rehabilitation zu unterstützen. Die Aufgaben gliedern sich grob in drei Säulen:

Nun, um dieser etwas technischen Beschreibung Leben einzuhauchen, bedürfte es eines Gespräches mit den verantwortlichen Sozialberatern in der Reha Klinik Tobelbad. Das Team der vier SozialberaterInnen empfing mich zu einem informativen Gespräch. Es entstand sofort ein angenehmes Gesprächsklima und ich hatte das Gefühl, dieses Team arbeitet nicht nur mit Herz und Verstand, sondern man merkte Ihnen an, dass jeder Patient eine gern übernommene Aufgabe darstellt. Und diese ist gar nicht so einfach.


Der erste Kontakt mit Patienten der Station Vier (Querschnitt-lähmungen) beginnt schon wenige Tage nach Aufnahme des Patienten, vermittelt mir Herr Kvas (er ist der für diese Station verantwortliche Sozialberater) freizügig. Zuerst gilt es die wirtschaftliche Absicherung des Patienten herzustellen. Und das hat‘s in sich. Viele Menschen haben eine Unfallversicherung – andere nicht. Speziell bei einem Freizeitunfall wünscht man sich eine, denn man darf davon ausgehen, dass das Nettoeinkommen (Krankengeld) um ca. ein Drittel schrumpft, und das nicht 14 sondern nur mehr 12 x im Jahr. Diese Gehaltseinbussen sind für viele Familien nicht zu bewältigen.


Hier bietet das Sozialberatungsteam der Reha Klinik Tobelbad erstmals Ihre Hilfe an.


Herr Kvas berichtet: „Man muss erst eine gute Gesprächsbasis mit dem Patienten finden. Hier geht es um sehr sensible Daten und Lebensbereiche der Patienten. Wir gehen hier sehr behutsam mit dem Patienten und dessen Angehörigen um. Erst wenn der Patient die angebotene Hilfe in Anspruch nimmt, können wir aktiv tätig werden.

Wir unterstützen unsere Patienten bei wirtschaftlichen und finanziellen Fragen, die einerseits die momentane Situation aber auch die Zukunft betreffen. Es werden auch diverse Anträge gestellt, leider klafft hier oft dennoch eine gewaltige Lücke, welche wir mit Kontakten zu Sozialstellen und Vereinen einigermaßen zu stopfen versuchen.“

Natürlich hilft das Team auch bei rechtlichen Problemen und Förderansuchen. Eine langjährige Verbindung zu den dazugehörigen Sozialstellen des Landes Steiermark, welche die Mitarbeiter pflegen, hilft natürlich bei der Durchsetzung der Wünsche des Patienten.


Neben dieser Tätigkeit gibt es ein wöchentliches Meeting mit Ärzten, Psychologen, Therapeuten und dem Sozialberatungsteam, bei dem die Fortschritte und weitere Maßnahmen jedes einzelnen Patienten besprochen werden. Im weiteren Verlauf werden dann behutsam weitere Fragen über die Zukunft des Patienten und dessen Wünsche eruiert.


Die da wären:
– wie ist die Wohnsituation – kann und möchte der Patient in nächster Zukunft arbeiten und wenn ja welche Tätigkeiten kann er ausüben? Wie selbständig kann der Patient in Zukunft sein Leben führen? Welche Hilfe wird zu Hause benötigt und wie kann diese organisiert werden?

In der Praxis sieht das in etwa so aus. Es wird mit dem Patienten die tatsächliche Wohnsituation überprüft. Meist ist ein Umbau der sanitären Einrichtungen erforderlich. Es wird nun mit entsprechenden Fachbetrieben ein Kostenplan erstellt und mit dem Patienten besprochen. Leider kommt es oft genug vor, dass der Kostenvoranschlag die finanziellen Möglichkeiten des Betroffenen übersteigt. Dann wird abgespeckt und auch mal das eine oder andere Hilfsmittel verliehen. Derzeit sind zwei Treppensteighilfen von uns bei Patienten im Einsatz, berichtet mir Herr Kvas. Manchmal ist es nur möglich in eine neue Wohnung umzuziehen oder sogar ein passendes Pflegeheim zu suchen.


Fast immer schaffen wir es eine vernünftige Erstlösung für die Wohnsituation zu finden. Für Angehörige haben wir auch eine eigene Übungswohnung. Die entsprechende Bezugsperson des Patienten kann somit einige Tage in unserem Haus verbringen und den Patienten begleiten. Gleichzeitig erfolgt durch das Personal der Pflege und Therapie eine ausführliche Einschulung des Angehörigen in pflegerischen Belangen bzw. bei alltäglichen Dingen wie z.B. Unterstützung beim Transfer in einen PKW. Nach der Wohnsituation, wird eine berufliche Zukunft besprochen. Auch hier greifen gute Kontakte zu Ämtern und Sozialversicherungsträgern, welche sich die Sozialabteilung in jahrelanger Arbeit aufgebaut hat.


Auch hier werden wieder Anträge gestellt und telefoniert, weiters werden Fahrstunden angeboten, sowie verschiedene Maßnahmen gesetzt, wie Flughafentraining um den Patienten das erste Rüstzeug für sein weiteres Leben mitzugeben. Diese ganzen Tätigkeiten erfordern nicht nur Kompetenz, sondern auch großes Einfühlungsvermögen. Wir von Seite an Seite wissen nun, hier wird einem geholfen. Und wir möchten mithelfen. Wir freuen uns auf ein gemeinsames Projekt, bei der Gestaltung der Wohnsituation eines Patienten mitzuwirken.

Wir werden in einer der nächsten Ausgaben darüber berichten. Wir wünschen den Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg und viel Freude bei Ihrer Tätigkeit.


Text: Andreas Michalik
Fotos: zur Verfügung gestellt von Reha Klinik Tobelbad