Dialog im Dunkeln – oder wie man mit dem Blindenstock sehen lernt.

Sind Sie schon mal in einem wirklich dunklen Raum gewesen? Und wenn ich dunkel sage dann meine ich finster – die schwärzeste Nacht die sie sich vorstellen können, ohne jegliche Lichtquelle. Kein Mond keine Sterne nur schwarze Finsternis. Noch nie?


Diese Erfahrung können Sie in Wien, Schottenstift Freyung 6 machen. Sie können im Rahmen der Veranstaltung „Dialog im Dunkeln“, die Rolle mit einem blinden Menschen tauschen.


Hier sieht der Guide mehr, obwohl er blind ist.


Die Ausstellung bei der es nichts zu sehen gibt hat grundsätzlich zwei Zielsetzungen. Zum einen lernen Gäste sich auf ihre nicht visuellen Sinne zu verlassen, und zum anderen wechseln sie für eine Stunde ihren Standpunkt und erfahren die Lebensrealität blinder Menschen selbst.


Nun gehört davon – schon machte ich mich auf den Weg um diese Erfahrung selbst zu machen. Begleitet haben mich zwei Mitarbeiterinnen der Fa. Sirius, welche Inserate für unsere Zeitung wirbt. In der Freyung angekommen empfing uns sofort Reinhard. Er ist einer der Mitgründer des Franchise Unternehmens in Wien und führt seit nunmehr 18 Jahren Gäste durch einen Parcours der kein Licht und Schatten zulässt. Zunächst erzählte Reinhard – seit Geburt an blind – was uns erwarten wird. Ein Parcours wäre zu bewältigen – Dauer ca. 1 Stunde. Wir sollten keine Angst haben, denn bei einer Panikattacke wären wir innerhalb von 20 Sekunden in unserer gewohnten Umgebung – sprich LICHT. Dann erhielten wir eine kurze Einführung wie ein Blindenstock zu bedienen ist. Und schon ging‘s los.

Am Anfang konnten wir uns noch der Mauer entlang bewegen, doch mit jeder Sekunde kam die Dunkelheit näher, und schon Umschlang uns die allumfassende Schwärze. Wir waren blind. Irgendwie verloren – mit unserem Blindenstock in der Hand – lauschten wir auf die Stimme von Reinhard – welche uns Orientierung versprach. Und siehe da, auf ein kurzes Zurufen „Reinhard wo bist du?“, konnten wir auf Grund der Antwort – hier bin ich – die Richtung des Parcours aufnehmen. Nach einer kleinen verschlungenen Wegstrecke – wir bewegten uns nur sehr zögerlich vorwärts – kamen wir zu einem etwas flauschigen Untergrund.


War das eine Wiese? Reinhard forderte uns auf eine Parkbank zu suchen und uns zu setzen. Und wir fanden Sie auch. Als wir uns setzten machten wir eine tolle Erfahrung. Wir saßen auf einmal mitten in einem Park. Ein Bächlein rauschte hinter uns und die Vöglein zwitscherten. Waren wir im Raumschiff Enterprise? Wurden wir gebeamt? Nein, die Antwort ist einfach und doch überraschend. Durch den Verlust des Sehens wird eine Illusion viel wirklichkeitsnäher. Wir glaubten wirklich auf einer Parkbank mitten im Park zu sitzen. Und noch etwas fiel uns auf. Da wir unsere geöffneten Augen entlasteten, waren wir extrem entspannt.


Ein Gefühl der Ruhe umgab uns und als wir weiter mussten, gingen wir mit Wehmut weg von unserer Parkbank. Ich werde Ihnen nun nicht verraten wie es genau weiterging, denn Sie sollten das selbst ausprobieren.


Wenn ich Ihnen alles erzähle, wäre es so, als würde ich Ihnen das Ende eines guten Films verraten. Nur soviel – Sie werden staunen was Sie alles erleben. Am Ende des Parcours angekommen, haben Sie noch die Möglichkeit etwas zu trinken. Natürlich in einer Bar – wie soll es anders sein – stockdunkel.

 

Die möchte ich Ihnen noch beschreiben. Sie war grün. Der Tresen ging um die Ecke und ein blondes freundliches Mädchen stand dahinter. Die Spots tauchten das ganze in ein angenehmes Licht. Wir bestellten alle ein kleines Bier, das wir in Flaschen bekamen. Wir prosteten uns zu schnatterten durcheinander um das Erlebte zu verarbeiten. Warum ich diese Bar so gut beschreiben kann? – Ich weiß es nicht, aber ich hab sie so gesehen. Bei Ihnen wird sie vielleicht golden – braun – oder hochmodern sein. Das Barpersonal eine schwarze 40erin mit kurzen Haaren. Denn erst nach einigen Minuten an der Bar, überkam mich die Erkenntnis – die Barfrau musste blind sein. Und so sehr ich mich auch bemühte etwas zu sehen – ich blieb blind. Überraschender Weise konnte ich mein Bier immer finden, und als ich blind bezahlte – konnte ich auch die Münzen erkennen mit welchen ich bezahlte. Noch eines fiel mir auf. Berührungen mit anderen Personen ob gewollt oder ungewollt, werden anders wahrgenommen. Irgendwie positiver. Als wir wieder ins Licht kamen waren wir doch froh wieder unter den Sehenden zu sein. So toll dieses Erlebnis auch war, ohne Reinhard wären wir in der Dunkelheit verloren gewesen. Umso mehr kann ich nun den Wunsch eines blinden Menschen, nach einem Blindenführhund nachvollziehen.

 

Übrigens Sie haben auch die Möglichkeit ein Dinner im Dunkeln zu genießen. Vorbestellung ist ein Muss. Dies ist mit Sicherheit wieder eine ganz  andere Erfahrung.

 

Nähere Infos finden sie auf www.imdunkeln.at