Eine Seefahrt die ist lustig – eine Kreuzfahrt noch viel mehr


 Schiff ahoi – die Karibik wartet

 

Kaum eine Art des Reisens bietet soviel Erlebnis und Abwechslung wie ein Urlaub auf hoher See.

 

Waren vor einigen Jahren nur „betuchten“ Mitbürgern diese Form des Reisens vergönnt, zeigt sich durch die stetig steigende Zahl derer, die sich zu einem Urlaub auf hoher See entscheiden, dass Kreuzfahrten heute schon beinahe für jedes Geldbörsel erschwinglich sind. Es muss ja nicht immer gleich Luxus pur sein – die aktuelle Angebotspalette ist riesig. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist mehr als günstig und der Erlebniswert sehr hoch. Je nach Reisebudget und Routen gibt es entsprechende Angebote. Karibikkreuzfahrten – zu unrecht als teuer verschrien – können da mithalten. Viele namhafte Reedereien bieten vom einfachen Kreuzfahrtschiff  bis hin zum Luxusliner alles an, was man sich darunter vorstellen kann. Aber vergessen sollte man nicht, dass eine Suite am Sonnendeck mit eigener Terrasse und Fünfstern-Service natürlich seinen Preis hat.

 

Diese „schwimmenden Hotels“ haben aber eigentlich alle etwas gemeinsam: Sie fahren auf der „Sonnenstraße“. Besonders reizvoll ist eine Kreuzfahrt, wenn bei uns der nasse Herbst oder der kalte Winter ins Land zieht. Das Mittelmeer oder die Kanarischen Inseln bieten dann noch spätsommerliche Temperaturen – ideal, wenn man jeden Tag in einem anderen Hafen, einer anderen Stadt, auf Entdeckungstour gehen kann.

 

Auch wir haben uns entschlossen, eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Genau genommen war das ein Geschenk meines Mannes zu meinem „runden“ Geburtstag. Ein lang gehegter Traum ging für mich in Erfüllung. Doch wie kommt mein Mann mit seinem Rollstuhl an Bord und bei den Ausflügen klar?

Fragen wir einen Fachmann – in diesem Fall die AGR - Aktion Gemeinsam Reisen, die sich auf die Durchführung von Behindertenreisen spezialisiert hat.

Nach einer guten, aufwändigen Vorbereitung kann ich nur sagen: Phantastisch! Die Route muss allerdings wirklich sorgfältig ausgewählt werden, nicht alle eignen sich für Rollstuhlfahrer. Und wer möchte schon an Bord bleiben, wenn alle anderen zu Besichtigungen an Land gehen?

 

November - Endlich unser Abflug nach Puerto Rico. Bei dem Gedanken schmecke ich schon den dort heimischen Bacardi. Dort verbrachten wir in einer schönen Anlage, direkt am traumhaften Strand in einer weiten Bucht, die erste Urlaubswoche. Unser rollstuhlfreundliches Zimmer mit Teeküche, befahrbarer Dusche, Rampe zum Strand, trug viel zum positiven Erleben bei. Mit einem Mietauto fuhren wir über die Insel und nahmen einige Besichtigungen vor, so auch in San Juan. Das mächtige Castillo de San Felipe del Morro ist weitestgehend für Rollstuhlfahrer begehbar. Der Eintritt ist gratis - allerdings gibt es dort kein Rollstuhl-WC.

 

Endlich der Tag der Tage: Einchecken in San Juan auf „meinem“ Schiff. Fast ehrfurchtsvoll stehen wir davor. Welch ein Gigant im Vergleich zu den anderen ankernden Kreuzfahrtschiffen. 15 Deck hoch! Es war eines der dzt. drei größten Kreuzfahrtschiffe auf den Meeren. Inzwischen sind auch hier die Dimensionen gewachsen – kaum vorstellbar, daß immer noch was geht.

 

Wir gehören zu den ersten Passagieren, die das Schiff  betreten. Es ist nämlich die Jungfernfahrt, wie uns an Bord erklärt wurde. Gleich zu Beginn das obligatorische Eintrittsfoto zum Preis von etlichen Dollars! Aber was soll‘s - man ist je nicht immer auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein Stuart geleitet uns zu unserer Kabine. Na bitte ... riesig groß. Das Badezimmer mit befahrbarer Dusche – bin mir sicher, dass mancher Rollstuhlfahrer zu hause nicht so ein großes Bad hat. Also, es passt bis jetzt alles. Am Abend, kurz nach dem Auslaufen, Sicherheitsübung für alle. Auch die Rollifahrer mussten antreten und ihre Schwimmwesten anlegen, was für mich ein köstliches Bild bot. Am nächsten Tag inspizierten wir das Schiff. Na ja, einen Teil des Schiffes. Bei der Größe des Schiffes – 311 m lang, 48 m breit - ist ein größerer Zeitaufwand nötig. Immerhin verfügt das Schiff über eine Gesamtkapazität von 3.838 Passagieren / 1.181 Besatzung. Das Personal kommt aus allen Ländern – die Verständigung erfolgt auf englisch. Eine deutschsprachige Betreuerin ist täglich erreichbar.

 

Es gibt nichts, wo man als Rollstuhlfahrer nicht hinkommt, sei es zum Theater, welches der Größe des Wiener Josefstadttheaters entspricht, in alle Restaurants, Shops, Fitness- und Gesundheitscenter, Casino, Bars & Loungs und und und ... Eines muss man wissen: Will man alle Veranstaltungen und Darbietungen mitmachen (was nicht möglich ist) bedeutet das Stress pur. Aber die täglich erscheinende Bordzeitung – auch in deutscher Sprache – half, aus den Morgen-, Nachmittags- und Abendaktivitäten das Passende zu finden. Ankerten wir in keinem Hafen, sondern waren auf dem Meer, lagen wir meistens tagsüber am Pool – dieser klar mit Hebelifter. Trotz der vielen Gäste an Bord war niemals auch nur ein Gedrängel um Liegen. Die kulinarischen Angebote lassen so manche Diät im Keim ersticken. Ein 24-Stunden-Service gibt Jedem zu jeder Zeit die Möglichkeit, außerhalb der Hauptmahlzeiten, zu speisen.

 

Unsere Stationen auf der Route waren Aruba, Curacao, St. Maarten, St. Thomas. Welche Insel die schönere ist, kann ich nicht sagen. Jede hat ihren Reiz und man sollte sie alle besichtigen. Ausreichend Zeit ist vorhanden. Die Transfers erfolgen meistens in kleineren Minibussen oder Taxis. Also für Rollstuhlfahrer problemlos. Einiges kann man sogar direkt von Bord kommend zu Fuß besichtigen. Für Zigarren-Freaks ist die Karibik ein Eldorado. Die Preise und Auswahl sind einmalig – wer Glück hat und weiß wo, kann sogar bei der Produktion zuschauen.

 

Ein Highlight auf unserer Fahrt war ein Rundflug mit einem Wasserflugzeug von St. Thomas über die Virgin Islands. Für die Piloten und Crew war ein Rollstuhlfahrer kein Problem. Haben sie öfter dabei, die lakonische Antwort. Und das unkomplizierte Handling mit Rollis beweist dies. Start und Landung sind zwar gewöhnungsbedüftig, aber der Ausblick auf die kitschig-schöne Postkartenidylle der unter uns liegenden Inseln ist phantastisch. Wir hätten es bereut, diesen Ausflug nicht unternommen zu haben.

Nach einer Woche haben wir wieder in San Juan / Puerto Rico angelegt. Ich frage mich, wo ist diese Woche geblieben ... zu schnell verging die Zeit.

 

Autor/Fotos: Veronika Freund


AGR - Aktion gemeinsam Reisen