Sabine Gschwandtner
Liebe Leserinnen und Leser!
Ich möchte mich bei Ihnen vorstellen und Ihnen einen kleinen Einblick in mein Leben gewähren:
Mein Name ist Sabine Gschwandtner, ich bin 43 Jahre, von Beruf diplomierte Lebens- und Sozialberaterin und lebe in der Bundeshauptstadt Wien.
Mein Lebensmotto: „Ein neuer Tag bringt neue Chancen.“
Ich kam völlig unerwartet, zwei Monate vor meinem errechneten Geburtstermin, zur Welt. Aufgrund des viel zu geringen Gewichtes (1680g) wurde ich unmittelbar nach der Geburt für die nächsten zwei Monate auf die Frühgeburtenstation eines Wiener Kinderspitals überstellt.
Meine Eltern stellten zwar fest, dass meine körperliche Entwicklung im Vergleich zu meiner um neun Monate älteren Schwester und anderen Kindern langsamer voranschritt, eine Behinderung wurde von den mich regelmäßig betreuenden und behandelnden Ärzten innerhalb meines ersten Lebensjahres jedoch nicht diagnostiziert.
Im Alter von 13 Monaten, als ich dem allgemeinen Entwicklungstand eines Kindes entsprechend Versuche unternahm, aufzustehen, die üblichen Reaktionen, nämlich tatsächlich stehen und in weiterer Folge gehen zu können, ausblieben, unterbreiteten die Ärzte meiner Mutter mit dem Hinweis, man könne nicht mehr feststellen, wann der Sauerstoffmangel eingetreten sei, dass eine Behinderung vorliege.
Konkret eine Cerebralparese vom Typ spastische Diplegie.
Prognosen, ob und - wenn überhaupt - wann ich gehen lerne, konnte niemand abgeben. Feststeht, dass in Bezug auf die positive Beeinflussung der Bewegungsstörung durch Setzen therapeutischer Interventionen, ein wertvolles Jahr verstrichen war.
Durch eine Reihe intensiver therapeutischer Maßnahmen (Physiotherapie, Hippotherapie) über Jahrzehnte, orthopädisch-chirurgische Interventionen und auch ein wenig Glück bin ich seit meinem 8. Lebensjahr in der Lage zu gehen. Es ist mir auch möglich, den Lebensalltag überwiegend selbständig und eigenverantwortlich zu bewältigen.
Die Führung des seit vielen Jahren bestehenden eigenen Haushaltes erfolgt – von Tätigkeiten mit besonderer Unfallgefahr (z.B. Reinigungsarbeiten, die vom Boden aus nicht erledigt werden können oder Wechsel von Lampen u.dgl.) abgesehen – selbständig.
Der tägliche Weg zur Arbeitsstelle – ich bin im öffentlichen Dienst in der Schullaufbahn- und Bildungsberatung tätig - sowie Wocheneinkäufe werden mit meinem PKW erledigt.
Aufgrund der Gehbehinderung bin ich bei der Bewältigung von kleineren Einkäufen, und Wegstrecken, die nicht mit dem Auto bewerkstelligt werden können (z.B. Hausbesuche im Rahmen ihrer Praxistätigkeit, Spaziergänge), auf einen Gehstock angewiesen.
Das Tragen von Taschen unter gleichzeitiger Nutzung des Gehstocks stellt insofern eine Herausforderung dar, als es nur mit hohem Kraft- und Zeitaufwand möglich ist, Türen zu öffnen. Zudem besteht nach dem Öffnen von Geschäftsportalen immer wieder die Gefahr, mit dem Gehstock in der zufallenden Türe hängenzubleiben.
Ich bin zwar in der Lage, Stiegen zu bewältigen, jedoch ist gerade das Abwärtsgehen mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden, da ich dabei den Handlauf mit beiden Händen benützen können muss. Das Problem ist, dass ich gleichzeitig den Stock und andere Gegenstände wie beispielsweise Unterlagen tragen muss. Dadurch ist es mir nicht möglich, den Handlauf vollständig mit beiden Händen zu umfassen. Weiters besteht auch die Gefahr des Hängenbleibens mit dem Stock im Stiegengeländer.
Bodenunebenheiten (z.B. Kopfsteinpflaster) oder andere Gefahrenquellen (achtlos weggeworfene Zigarettenkippen, nasses Laub u.ä.) führen immer wieder dazu, dass ich mit dem Gehstock wegrutsche und deshalb in der Folge zu Sturz komme.
Übermäßig hohe Gehsteigkanten oder Stiegen ohne Handlauf (2 bis 3 Stiegen hintereinander sind ohne fremde Hilfe in der Regel nicht bewältigbar) stellen eine weitere Herausforderung dar.
Seit mehr als 2 Jahrzehnten ist mir zwar bekannt, dass für Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit besteht, durch entsprechend ausgebildete Assistenzhunde Unterstützung und damit Erleichterung im Alltag zu erfahren, jedoch haben es meine Lebensumstände bis vor 2 Jahren nicht zugelassen, mein Leben mit einem Hund zu teilen.
Im Jahr 2010 habe ich mich dazu entschlossen mit dem Verein Partner-Hunde Österreich Kontakt aufzunehmen. Nach einem Info-Nachmittag und einem ausführlichen Erstgespräch, wurde ich zur offiziellen Kandidatin.
Konkret soll mein künftiger Partner-Hund u.a. Stütz- und Führaufgaben übernehmen, bei Einkäufen des täglichen Bedarfes mit Hilfe von Satteltaschen geringe Lasten tragen, den Gehstock während des Zahlungsvorgangs an der Kassa halten, Gegenstände bringen (z.B. Aufheben des heruntergefallenen Autoschlüssels, Bringen des Gehstocks im Falle eines Sturzes u.dgl.m.) und Aufzüge auf Hörzeichen holen.
Da ich, wie ich bereits ausgeführt habe, meinen Haushalt überwiegend selbständig führe, wird mein künftiger Partner auf vier Pfoten auch dahingehend trainiert, einen auf Rollen stehenden Wasserkübel zu ziehen. Das bringt mir bei der Hausarbeit insofern Erleichterung, als ich bei Reinigungsarbeiten den Kübel nicht mehr heben muss.
Für sommerliche Badeausflüge wird er dafür ausgebildet, dass er mich ins Wasser begleitet und den Gehstock - sobald ausreichend Wassertiefe erreicht ist und ich frei im Wasser stehen kann – ans Ufer zurückbringt.
Am Ende der „sportlichen Betätigung“ soll der Partnerhund auf Kommando den Stock zum Verlassen des Wassers wieder bringen.
Liebe Leserinnen und Leser, der Partnerhund wird nicht nur dazu beitragen, meinen Lebensalltag zu erleichtern und die Sicherheit zu erhöhen, sondern auch meine Beweglichkeit positiv beeinflussen, da ich mehrmals täglich gefordert sein werde, mich mit dem Hund im Freien in besonderer Form zu bewegen. Regelmäßige Physiotherapie-Einheiten sind für mich ohnehin selbstverständlich. Die Kosten werden zum Teil von der Krankenkasse übernommen, jedoch verbleibt ein von mir zu leistender Selbstbehalt.
Weiters lasse ich regelmäßig Cranio – Sacral - Therapie durchführen, eine Behandlungsmethode, die in meinem Fall zwar bemerkenswerte Verbesserungen bewirkt, aber von der Krankenkasse nicht finanziert wird, sodass dieser Aufwand zur Gänze von mir getragen wird.
Mein Lebensalltag unterscheidet sich in vielen Dingen vielleicht nicht maßgeblich von jenem eines Menschen ohne Behinderung und ich lege auch Wert darauf, ein „ganz normales Leben“ zu führen. Die Lebenshaltungskosten sind aus erwähnten Gründen aber doch um einiges höher.
Die Ausbildung des für mich vorgesehenen Assistenzhundes ist mit einem Kostenaufwand von € 15.000,-- verbunden. Ein Betrag, den ich trotz Vollbeschäftigung nicht in der Lage bin, zur Gänze selbst abzudecken.
Aus diesem Grund habe ich mich an den Verein Seite an Seite gewandt und ersuche auf diesem Weg um Ihre Unterstützung.