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Assistenzhunde Ausbildung

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Assistenzhund

 

Welche Hunde sind geeignet? Was können sie?
Wer benötigt einen Assistenzhund?
Fragen genug, um uns bei einer kompetenten Ausbildungsstätte umzusehen. Unsere Auswahl fiel auf den nun fast seit 20 Jahren bestehenden Verein Partner-Hunde Österreich, welcher sich nach den Ausbildungslinien der Assistance Dogs Europe hält.

Frau Färbinger, die Leiterin von Partner-Hunde Österreich, gab uns gerne Auskunft wie aus einem Welpen ein voll ausgebildeter Assistenzhund im Wert von 15 000,– Euro wird.

 

Die Auswahl der Welpen beginnt schon bevor Sie auf der Welt sind. Es werden nur Eltern zugelassen welche sehr gutmütige Charaktereigenschaften aufweisen und vor allem vor Gesundheit strotzen. Eine beliebte Mischung ist eine Kreuzung aus Labrador Retriever und Golden Retriever. Die Welpen dieser ansonsten reinrassigen Hunde sind nicht nur sehr gutmütig, sondern meist auch kurzhaarig. Jeder der schon mal einen Langhaarhund seinen Begleiter nennen durfte, weiß wie pflegeaufwendig er ist.

Nach 63–65 Tagen Trächtigkeit erblicken 6–10 Welpen das Licht der Welt. Nach den ersten drei Wochen sind sie schon nette herumspielende Welpen und der Ernst des Lebens kann spielerisch beginnen. Schon ab der vierten Woche werden die Junghunde an alles mögliche gewöhnt. Auf dem Lehrplan stehen lärmende Volksschulklassen, der Umgang mit Katzen und anderen Haustieren, Autofahrten, sowie schon das erlernen der Grundkommandos wie Sitz, Platz, Steh sowie das Spazierengehen mit durchhängender Leine. Wir wollen ja einen Partnerhund keinen Schlittenhund.

Nach 10–12 Wochen geht‘s dann ab zur Gastfamilie.
Diese hat die Aufgabe die erlernten Kommandos weiter zu konditionieren, sowie den Hund best möglich zu spezialisieren. Das heißt mit dem Welpen/Junghund Einkaufen gehen, Bus fahren, auf den Rummel, zu Bauernhöfen
gehen etc. Je besser der Hund an Lärm, andere Tiere und Menschen gewöhnt ist, desto besser wird er in allen Lebenssituationen klar kommen. Aber auch die soziale Bindung darf bei der Gastfamilie nicht zu kurz kommen. Normales spielen, kuscheln und ausgelassenes herumtollen stehen ebenso auf dem Ausbildungsplan.

Assistenzhund

Und ein guter Assistenzhund wird auch ein Bad und Fellpflege ungerührt über sich ergehen lassen. Qualitätssicherung ist bei den Partner-Hunden Österreich sehr groß geschrieben, und so werden die Gastfamilien 2 mal in der Woche besucht und betreut, außerdem werden alte Kommandos geübt und neue erlernt.

Wenn der Hund dann 8–10 Monate ist kehrt er auf den großen Hof der Partner – Hunde Österreich zurück. Nun kommt die schwerste Prüfung auf ihn zu. Wird er ein Assistenzhund, oder doch nur ein gut erzogener Vierbeiner dessen bester Freund der Mensch ist. Da nur Hunde mit erstklassiger Gesundheit der Veterinärmedizinischen Überprüfung standhalten, fallen hier im Schnitt 40 % der Hunde durch. Nur für die restlichen 60 Prozent ist nun der Weg für die Assistenzhundeausbildung offen.

Während dieser Zeit, hat der kaufwillige Interessent und dessen Freunde bereits einen großen Fragebogen ausgefüllt. Es wird vor allem überprüft ob der zukünftige Hundebesitzer eher Menschen oder Arbeitsorientiert ist. Das heißt ist er viel unterwegs und gesellig oder liest er lieber ein Buch auf der Couch. Denn der zukünftige Partner-Hund sollte nun ebenfalls diese Charaktereigenschaften besitzen. Das ist auch der Grund, warum kein Interessent seinen Hund aussuchen kann und keine Warteliste nach Nummern gefertigt werden kann. Nicht der als Erster kommt mahlt, sondern es wird gewartet bis ein Hund zu dem Mahlwerk passt. Dies wird in den nächsten 2 Monaten entschieden währenddessen
der Hund zukünftige Fähigkeiten, wie Lichtschalter betätigen, Türaufmachen, etwas
bringen oder aufheben erlernt.

Erst jetzt wird entschieden wer welchen Hund bekommt und die Ausbildung wird ab jetzt genau
auf die Behinderung und Bedürfnisse des zukünftigen Besitzers abgestimmt. Diese Zusatzausbildung
kann 2–4 Monate andauern. Zu diesem Zeitpunkt ist der Hund nun 16–18 Monate alt. Während dieser Spezialausbildung
hat aber auch das zukünftige Herrchen oder Frauchen etwas zu tun. Die Hörzeichen (Kommandos) werden übergeben und müssen vom zukünftigen Besitzer erlernt werden. Erst jetzt kann sich der Interessent auf ein Blind Date in 2 Monaten freuen. Der große Tag an dem sich die beiden Partner, sprich Hund und Besitzer das erste mal sehen ist immer wieder großartig anzusehen. Allein die Freude welche der Interessent ausstrahlt überträgt sich auf den Hund sodass sehr schnell eine Freundschaft fürs Leben geschlossen wird.

Das Abschlusstraining dauert jetzt noch 14 Tage und ist für beide Partner gleichermaßen anstrengend. All das gelernte von Hund und Mensch muss nun zusammengefügt werden. Unterrichtseinheiten welche täglich von 9–12 und 14–18 Uhr stattfinden verlangen von Beiden Höchstleistungen. Erst bei abschließenden Beobachtungen von ehrenamtlichen Mitarbeitern, beim Einkauf, Gasthausbesuchen oder einfachen Spaziergängen welche zur Zufriedenheit dieser durchgeführt wurden, kann der Hund übergeben werden. Eine weitere Überprüfung findet 2 Monate später statt und mit der dritten erfolgreichen Überprüfung (nochmals 4 Monate später) geht der Partner-Hund ins Eigentum des behinderten Menschen über. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt nur noch einmal jährliche eine Überprüfung.

Die Frage, wer nun einen Assistenzhund benötigt, ist leicht zu beantworten. Vor allem Behinderte bei welchen die Bewegungsfähigkeit so einschränkt ist, dass das Aufheben von heruntergefallenen Haushaltsgegenständen, Türöffnen,
aus der Jacke helfen, Handschuhe und Socken ausziehen, Lichtschalter betätigen und andere alltägliche Tätigkeiten nicht ausgeführt werden können, ist ein Assistenzhund zu empfehlen.

Weiters bei Personen die Ihr Lebensspektrum und Aktionsradius wieder erweitern wollen. Es ist eine Entscheidung für ein neues, aktives und spannendes Leben, verbunden mit mehr Lebensfreude und Selbständigkeit. Auch die psychische Komponente darf nicht außer acht gelassen werden. Ein Hund ist noch immer der beste Freund des Menschen und dessen bedingungslose Liebe verändert so manches. Ein Assistenzhund ist allerdings nicht nur eine Erleichterung sondern bedeutet auch die Bereitschaft für jemand anderen die Verantwortung zu übernehmen.

Wir wünschen allen Partner-Hunden, Ausbildern und Ehrenamtlichen Mitarbeitern viel Spaß und Erfolg bei Ihrer Tätigkeit um so vielen Behinderten wie möglich das Leben zu erleichtern.

Text: Andreas Michalik
Fotos: von Verein Partner-Hunde Österreich zur Verfügung gestellt